Welche Währung gilt eigentlich in Venezuela?
Offiziell ist es der Bolívar. Im Alltag rechnest du aber in Dollar. In normalen Supermärkten, Restaurants, Fachgeschäften, Salons und Spas stehen die Preise fast immer in US-Dollar. Nur einzelne kleine Händler und Bodegas schreiben ihre Preise in Bolívares, und das meistens in kleineren Städten, etwa bei den kleinen Supermärkten, die oft von chinesischen Inhabern geführt werden.
Kurz erklärt am Beispiel: Ein Kaffee kostet 3 Dollar. Die Einheimischen zahlen ihn meist in Bolívares, entweder mit Bolívar-Scheinen oder mit ihrer Bankkarte oder Pago Móvil. Der Preis wird dann zum Tageskurs umgerechnet. Du kannst den Kaffee aber auch einfach mit einem Dollarschein bezahlen.
Als Tourist hast du drei Möglichkeiten. Die meisten bringen Dollarscheine aus der Wechselstube mit, das ist bequem, kostet dich beim Umtausch zu Hause aber oft Geld, und Rückgeld gibt es nicht immer in Dollar. Du kannst auch mit deiner Mastercard oder EC-Karte deiner Heimatbank zahlen. Oder du lässt dir vor Ort in einer Wechselstube deine Dollar in Bolívar-Scheine wechseln und zahlst damit.
Welcher Wechselkurs gilt: BCV Dollar oder BCV Euro?
Das verwirrt am Anfang am meisten. Es gibt zwei offizielle Kurse, die „Tasa BCV“ der Zentralbank Banco Central de Venezuela: einen für den Dollar und einen für den Euro. Am 5. November 2026 stand der Dollar bei rund 894 Bolívares und der Euro bei rund 1.006 Bolívares.

Wer welchen Kurs nimmt, ist eine Gewohnheitsfrage. Große Supermärkte, normale Betriebe und auch Taxis rechnen fast immer mit dem BCV-Dollar. Kleine Betriebe, Mini-Salons und Leute, die Dienste oder Waren verkaufen, nehmen oft den teureren Euro-Kurs, weil sie damit mehr verdienen. Frag deshalb vor dem Bezahlen kurz, welchen Kurs sie verwenden.
Gut zu wissen: Alle Ladengeschäfte und angemeldeten Betriebe, die Waren verkaufen oder Dienstleistungen anbieten, müssen den Wechselkurs des Tages an der Kasse sichtbar aushängen (Beispiel siehe unten). Schau also einfach dort nach, welcher Kurs gilt.

Die Kurse findest du nicht nur beim BCV. Viele schauen täglich auf Instagram-Seiten wie @monitordolarvzla, dort siehst du auch den Binance-Kurs.
Praktisch ist außerdem mein Währungsrechner: Gib einen Betrag in Dollar, Euro oder Bolívares ein und sieh sofort, was das zum aktuellen BCV-Kurs ist. So weißt du an der Kasse, ob der verlangte Preis stimmt.
Währungsrechner
Offizieller Kurs der BCV, Stand 05.11.2026
Ergebnis in Bs
1 US-Dollar = 894,89 Bs. Im Alltag weichen Preise oft vom offiziellen Kurs ab.
Dazu gibt es einen inoffiziellen Kurs, die „Tasa Binance“. Zu Jahresbeginn lag sie rund 200 Punkte über dem offiziellen Kurs, und manche haben das privat genutzt, um mehr herauszuholen. Heute liegt sie nur noch wenige Punkte daneben und ist praktisch gleich. Der große Vorteil von früher ist weg. Wie das rechtlich einzuordnen ist, steht hier bewusst nicht drin.
Dollar in bar: So müssen die Scheine aussehen
Dollarscheine aller Art werden angenommen. Entscheidend ist der Zustand. In Venezuela ist man sehr pingelig: Schon bei kleinen Beschädigungen oder wenn ein Schein zu gebraucht aussieht, lehnen Ladenbesitzer ihn ab. Nimm deshalb nur saubere, glatte Scheine ohne Risse, Knicke oder Stempel mit.
Bolívar-Scheine, also Bargeld in der Landeswährung, nehmen Geschäfte inzwischen kaum noch in kleinen Nennwerten an. Die 10er- und 20er-Scheine werden häufig abgelehnt, weil die Beträge zu klein sind.
Mit deiner Karte zahlen: Das klappt bei mir
Ich zahle selbst mit einer lokalen Mastercard der venezolanischen Bank Bancaribe. Es funktionieren aber auch eine normale Sparkassen-Karte und eine Mastercard der Service Credit Union. Meine MasterCard Debit von Revolut funktioniert leider nicht in Venezuela. Der Wechselkurs kann je nach Karte und Ort etwas abweichen. Große Geschäfte nehmen Karten ohne Probleme an.
Wichtig: Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass es immer wieder betrügerische Abbuchungen gibt. Nutze die Karte bewusst, prüfe deine Abrechnung und gib sie nie aus der Hand.
Bargeld in Bolívares bekommen: Wechselservice und Avance
Geld in Bolívares brauchst du eher selten. Wenn doch, gibt es bei mir zwei Wege: den Umtausch über einen Wechselservice oder einen „Avance“. Dabei zahlst du in einem kleinen Supermarkt mit Karte einen höheren Betrag und bekommst die Differenz in bar zurück. In der Regel verlangen kleine Supermärkte 5-10% Gebühr.
Das Auswärtige Amt schreibt dagegen, dass Landeswährung kaum erhältlich ist und in der Regel kein Geld getauscht werden kann. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es über diese Wege fast immer klappt, aber es ist nicht überall und nicht immer möglich.
Euro wechseln: Casas de Cambio (Wechselstuben)
In den Städten gibt es zahlreiche Casas de Cambio (Wechselstuben). Achte dort darauf, zu welchem Kurs sie wechseln, BCV Dollar, BCV Euro oder einem anderen. Der Unterschied kann spürbar sein.
Du kannst in Geschäften auch direkt mit Euro-Scheinen zahlen, das Problem ist oft das Rückgeld. Im Alltag machen die Läden zwischen Euro und Dollar nicht viel Unterschied.
Diese Wechselstuben sind online am bekanntesten. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Orientierung. Devisenverfügbarkeit, Wartezeiten, Gebühren und verlangte Dokumente wechseln stark. Frag deshalb vorher telefonisch nach.
Casa de Cambio | Stadt | Standort | Öffnungszeiten (laut Online-Angaben) | Hinweise aus Nutzerberichten |
|---|---|---|---|---|
Caracas | Av. Urdaneta, Animas a Platanal, Edificio Camoruco | Mo bis Fr 8 bis 17 Uhr, Sa 8 bis 13 Uhr, So zu | ||
Casa de Cambio Angulo López | Caracas | Jesuitas a Tienda Honda, Edificio Boulevard Plaza | Mo bis Sa 8:30 bis 15:30 Uhr, So zu | |
Isla Margarita | Centro Sambil, Pampatar | Mo bis Fr 8 bis 17 Uhr, Sa 10 bis 17 Uhr, So zu |
Stand der Angaben: 04.11.2026. Prüfe Adresse und Zeiten vor dem Besuch, sie können sich ändern.
Weitere Wechselstuben findest du in unserme Partner-Verzeichnis.
Pago Móvil: Was du als Besucher wissen musst
Pago Móvil ist die schnelle Handyzahlung per Telefonnummer, in Sekunden erledigt. Für Touristen gibt es das nicht, denn du brauchst dafür ein venezolanisches Konto, also eine Cédula, und eine venezolanische Handynummer. Wenn du länger bleibst oder hier lebst, lohnt es sich, das einzurichten. Mehr dazu aber bald in einem seperatem Ratgeber-Artikel.
USDT und Binance: So zahlen viele hier
In Venezuela ist USDT, ein an den Dollar gekoppelter Stablecoin, sehr gebräuchlich und für viele schon ganz normal. Venezolaner nutzen dafür zum Beispiel Binance. Wenn du selbst schon ein Binance-Konto hast, kannst du in den meisten Geschäften per P2P mit Binance bezahlen.
In der Regel gibst du dazu einfach die Binance-ID des Geschäfts ein. Das ist eine Beschreibung, wie es hier läuft, keine Anlageempfehlung. Wenn du das nutzen willst, informiere dich vorher gründlich und beachte die Regeln deines Landes.
Geldautomaten: Warum ich dir abrate
Ich rate dir von Geldautomaten ab. Du kannst dort nur Landeswährung abheben, und die Beträge liegen höchstens bei etwa 10 Dollar. Ich selbst habe in den letzten Monaten nur wenige Menschen gesehen, die hier Geldautomaten nutzen. Zudem raten die meisten davon ab.
Bargeld einführen: Was du wissen solltest
Die Ein- und Ausfuhr von Fremdwährung ist unbegrenzt möglich, ab einem Wert von 10.000 USD aber deklarationspflichtig. So steht es beim Auswärtigen Amt. Die Regeln können sich kurzfristig ändern, frag im Zweifel bei der venezolanischen Vertretung nach.
Meine Checkliste vor der Reise
Saubere, unbeschädigte Dollarscheine in kleinen Nennwerten einpacken.
Mindestens eine Karte mit, besser zwei verschiedene.
Auf Geldautomaten nicht verlassen.
Beim Bezahlen kurz fragen, welcher Kurs gilt.
Karte nie aus der Hand geben und Abrechnung prüfen.
Nicht mit viel Bargeld unterwegs sein, nur den Tagesbedarf mitnehmen.
Fazit
Das Wichtigste in Kürze: Bargeld in Dollar oder Euro und eine Mastercard oder Visa decken fast alles ab. Bolívares sind die Ausnahme, Geldautomaten keine Lösung, und beim Kurs lohnt sich die Nachfrage. Wenn du das beachtest, bezahlst du entspannt und ohne böse Überraschung.