Was die offiziellen Stellen sagen
Zuerst die Fakten, damit du weißt, woran du bist. Die Hinweise ändern sich, deshalb steht bei jedem das Datum.
Stelle | Einstufung | Stand |
|---|---|---|
Auswärtiges Amt (Deutschland) | Teilreisewarnung: Warnung vor den Grenzstaaten zu Kolumbien (außer Maracaibo), Brasilien und Guyana, für die übrigen Landesteile wird abgeraten | abgerufen 04.11.2026 |
BMEIA (Österreich) | Sicherheitsstufe 4 (Reisewarnung) für die Grenzregionen und die Region La Guaira, Stufe 3 für den Rest, von nicht zwingend erforderlichen Reisen wird dringend abgeraten | Stand 05.11.2026 |
EDA (Schweiz) | Von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen wird abgeraten. Zusätzlich wird von Reisen in Grenzgebiete zu Kolumbien und Brasilien, den Orinoco-Bergbaubogen sowie den Norden und Osten von Sucre inklusive Halbinsel Paria abgeraten | abgerufen 05.11.2026 |
US-Außenministerium | Stufe 3 „Reconsider travel“, einzelne Gebiete „Do not travel“ | ausgestellt 27.06.2026 |
Stand: Reisehinweise ändern sich kurzfristig. Prüfe vor jeder Reise die aktuelle Seite deines Landes. Die Links stehen unter den Quellen.
Wie sich Venezuela aktuell vor Ort anfühlt
Ich lebe hier, und mein Eindruck ist ein anderer als das Bild, das viele in Europa noch im Kopf haben. In den Vierteln, in denen ich mich regelmäßig bewege, fühlt sich Caracas für mich deutlich sicherer an als in den letzten Jahren. In meinem Umfeld in Caracas und auf Isla Margarita höre ich deutlich weniger von Überfällen und Entführungen als früher. Das ist meine persönliche Wahrnehmung, keine Kriminalstatistik.
Abendspaziergänge in Downtown Caracas, in Las Mercedes, El Rosal, Altamira oder in Chacao sind für mich ohne Probleme möglich. Mit gesundem Menschenverstand reduzierst du viele typische Risiken. Aber Sicherheit ist nie garantiert: Meide nachts einsame Straßen, zeige keine Wertsachen und plane Transfers im Voraus.
Auch sonst spürt man eine Veränderung. Es gibt mehr Meinungsfreiheit, die Leute reden über Politik, ohne gleich Angst zu haben. Es fehlt nicht an Essen oder anderen Gütern, die Preise sind etwas hoch, aber man findet alles.
Warum Gefühl und Warnung nicht zusammenpassen
Das Auswärtige Amt schreibt, dass sich die Lage seit Januar 2026 weitgehend stabilisiert hat. Gleichzeitig beschreibt es weiter hohe Straßenkriminalität in Großstädten, aktive bewaffnete Milizen (Colectivos), mögliche Kontrollen und spontane Demonstrationen.
Auch die New York Times schreibt am 16. Oktober 2026 in einer Überschrift, Caracas sei „eerily safe“, also unheimlich sicher, und verbindet das mit dem Vorwurf, dass der Rückgang der Kriminalität mit harten Polizeirazzien zusammenhängt, bei denen Tausende getötet worden sein sollen. Ich habe nur Überschrift und Anrisstext gelesen, den ganzen Artikel kenne ich nicht. Die Nuance bleibt wichtig: Eine ruhige Stadt ist nicht automatisch eine Stadt mit verlässlichem Rechtsstaat.
Die Regionen im Vergleich
Caracas. Wie oben beschrieben, in den Vierteln, die ich nenne, fühlt es sich sicher an. Die offiziellen Stellen warnen trotzdem vor Straßenkriminalität, vor allem nachts und auf der Strecke zwischen Flughafen und Stadt.
Isla Margarita. Auf Isla Margarita fühle ich mich in den touristischen Gebieten, besonders Pampatar, Costa Azul und Playa del Agua, deutlich sicherer als in vielen anderen Teilen des Landes. Die Leute sind offen für Touristen. Das ist meine Erfahrung, keine allgemeine Sicherheitsbewertung. Das österreichische Außenministerium sieht es anders und schreibt von regelmäßigen bewaffneten Überfällen und davon, dass besonders das Zentrum von Porlamar gefährlich ist.
Mein persänlicher Rat: Bleib in den Touristenzonen und sei im Zentrum von Porlamar vorsichtig. Wie überall auf der Welt gilt der normale Menschenverstand, nachts allein durch dunkle Straßen zu laufen ist nirgends eine gute Idee.
Grenzgebiete und La Guaira. Hier sind sich die offiziellen Stellen einig, es wird gewarnt. Entführungen und organisierte Kriminalität werden genannt. Dazu kommt: Seit den schweren Erdbeben im Juni 2026 ist ein Besuch in diesen Gebieten aktuell nicht möglich. Das ist kein Gebiet für den ersten Besuch.
Los Roques, Canaima mit Salto Ángel und Falcón. Auch diese Reiseziele gelten nach meiner Erfahrung als sehr ruhig, weil sie klassische Touristenzonen sind und die Leute dort vom Tourismus leben. Bei Canaima kommt es auf die Anreise an: Das Auswärtige Amt und die Schweiz warnen vor dem Bergbaugebiet im Bundesstaat Bolívar, deshalb am besten mit einem organisierten Anbieter und per Flug anreisen. Prüf vorher, ob die Erdbebenfolgen vom Juni 2026 deine Route betreffen.
Kontrollen, Polizei und "Guardias"
In den Städten gab es lange viele Kontrollpunkte (puntos de control, Alcabalas), an denen Geld verlangt werden konnte. Seit etwa zwei Monaten sind sie nach meiner Erfahrung kaum noch zu sehen. Am 24. August 2026 hat Präsidentin Delcy Rodríguez angekündigt, die Alcabalas in den Städten abzuschaffen und stattdessen mehr zu patrouillieren. Nach meinem Verständnis heißt das: Polizisten dürfen nicht einfach irgendwo Kontrollpunkte aufstellen und Menschen wahllos kontrollieren. Das Auswärtige Amt schreibt aber weiter, dass Kontrollen jederzeit auftreten können, auch durch Colectivos.
Einen Tag nach der Ankündigung habe ich selbst gesehen, dass viele Kontrollpunkte mit sofortiger Wirkung aufgehoben wurden. Auch in lokalen Berichten und Medien war das Thema präsent. Ich bin gerade viel im Landesinneren unterwegs, in Sucre und Monagas, und konnte es dort bestätigen. Wo auf dem Reiseweg früher vier oder fünf Kontrollpunkte standen, sind es bei mir jetzt keine mehr. Das macht das Reisen angenehmer, weil man nicht ständig angehalten wird. Das ist meine Erfahrung auf diesen Strecken. Ob es überall im Land so ist, kann ich nicht sagen.
Bleib bei Kontrollen ruhig, folge den Anweisungen und biete kein Bestechungsgeld an. Lass angebliche Polizisten in Zivil nicht in deine Unterkunft und lass sie dir ausweisen.
Proteste und Politik
Seit dem 25. Oktober 2026 ist die Oppositionsführerin María Corina Machado wieder im Land. Das gibt vielen hier Hoffnung, und die Leute sind politisch aktiv. Proteste häufen sich, und nach meinem Eindruck wird ihnen heute mit weniger Aggression begegnet. Trotzdem gilt wie bei den offiziellen Stellen: Meide Demonstrationen und Menschenansammlungen, auch wenn eine einzelne friedlich bleibt.
Ich selbst nehme an solchen Veranstaltungen nicht teil und äußere mich auch nicht zur Politik. Mir ist als Reisender etwas anderes wichtig: Informiere dich über die allgemeine Lage, bevor du das Land besuchst, und plane deine Reise darauf aufbauend.
Infrastruktur und Verkehr
Nach den schweren Erdbeben vom 24. Juni 2026 kann es in Caracas, La Guaira und anderen Städten weiter Einschränkungen bei Strom, Telefon und Gas geben. Mehr dazu im Artikel Strom, Wasser und Internet in Venezuela. Der Flughafen Maiquetía ist wieder in Betrieb, aber mit reduziertem Flugplan.
Für die Wege gilt: Fahre nachts nicht über Land, nimm am Flughafen nur offizielle Taxis, Taxi-Apps wie Ridery oder Yummy oder eine vorab organisierte Abholung und nutze nur Taxis in gutem Zustand.

Bildquelle: eldiario.com
Für wen ich Venezuela aktuell empfehlen würde und für wen nicht
Das ist meine persönliche Einschätzung und keine Garantie. Die offiziellen Warnungen gelten trotzdem.
Eher geeignet:
Menschen, die gewohnt sind, allein zu reisen und Spanisch sprechen.
Paare, die einen All-inclusive-Urlaub direkt auf der Isla Margarita suchen.
Abenteuerlustige, die Reisen durch Südamerika gewohnt sind.
Menschen, die vor Ort nach Investitionsmöglichkeiten suchen, zum Beispiel nach Wohnungen oder Häusern in beliebten Gegenden wie der Isla Margarita. Das ist keine Anlageberatung. Lass Eigentum und Verträge vor einem Kauf rechtlich prüfen.
Eher nicht geeignet:
Familienurlaub mit Kindern, zum Beispiel in Caracas. Das würde ich aktuell nicht empfehlen.
Wenn du neu in Venezuela bist, würde ich aktuell die Isla Margarita oder Los Roques empfehlen. Wer als Abenteurer das Land allein erleben will, kann das tun, aber mit Vorsichtsmaßnahmen und mit allen Dokumenten in Ordnung.
Meine Regeln für unterwegs
Nachts nicht allein durch dunkle Straßen, nach Möglichkeit mit Taxi oder Fahrer.
Nur das Bargeld für den Tag mitnehmen, keine auffälligen Wertsachen, das Handy nicht offen auf der Straße nutzen. Getränke und Essen von Fremden lehnst du besser ab.
Eine Kopie von Pass oder Ausweis auf dem Handy haben.
Proteste, Menschenansammlungen und ärmere Viertel ohne Begleitung meiden.
Keinen Widerstand leisten, falls doch etwas passiert.
Vor der Reise bei deiner Versicherung klären, ob die Reisewarnung etwas ausschließt.
Nutze am besten Taxi-Apps wie Ridery oder Yummy (funktionieren perfekt mit internationalen Karten)
Fazit
Venezuela ist heute nicht das Land, das viele im Kopf haben, und trotzdem ist es kein Land ohne Risiko. In den Gegenden, die Touristen besuchen, fühle ich mich sicher, aber die offiziellen Warnungen haben ihre Gründe. Wenn du reist, plane vorsichtig, bleib in bekannten Gegenden und informiere dich vorher.