Warum Airbnb für längere Aufenthalte oft teuer ist
Ich bin ein Fan von Airbnb und Booking, wenn ich die erste Woche brauche. Du buchst von Deutschland aus, siehst Fotos und Bewertungen, zahlst per Karte. Bequem. Für einen Monat oder länger rechnet es sich aber meist nicht. Nach meiner Erfahrung zahlst du dort ein Vielfaches dessen, was Einheimische für eine vergleichbare Wohnung zahlen.
Wo Venezolaner wirklich suchen
Die drei Wege, die ich selbst benutzt habe und die vor Ort am üblichsten sind: Facebook-Gruppen, MercadoLibre und persönliche Kontakte. Makler gibt es zusätzlich, vor allem in Caracas.
Facebook-Gruppen
Auf Isla Margarita gibt es mehrere Gruppen für Vermietung, zum Beispiel "Isla Margarita Real Estate – Alquileres y Ventas". Dort inserieren Eigentümer und Vermittler direkt. Ich habe Angebote ab etwa 170 USD im Monat gesehen. Das ist ein Erfahrungswert und nicht die Regel.
Gut zu wissen: Nicht jedes Inserat ist aktuell, und Fotos sagen wenig über Strom und Wasser.
Diese Gruppen nutze ich zum Suchen. Prüfe vor dem Beitritt, ob sie aktiv sind, und lies die Gruppenregeln:
Isla Margarita
Caracas
MercadoLibre
Auch MercadoLibre hat einen Mietbereich mit Filter nach Ort. Du findest dort Wohnungen etwa in Porlamar und Costa Azul. Der Vorteil: Du siehst viele Angebote auf einmal und kannst den Anbieter anschreiben. Behandle es wie jedes Inserat und überweise nie Geld, bevor du die Wohnung gesehen hast.
Maklerportale
Eine dritte Quelle sind Maklerportale wie RE/MAX Venezuela. Dort findest du Apartments zur Miete mit Preis, Fläche und Ort, in Caracas und Valencia mehr als auf Margarita. Die Preise sind oft in USD angegeben und gut zum Vergleichen. Dahinter steht aber ein Makler, rechne also mit der Maklergebühr.
Lokale Kontakte
Die besten Angebote kommen oft über Bekannte, Nachbarn oder Familie. Früher oder später heißt es "mein Cousin hat noch eine Wohnung frei". Wenn du Kontakte hast, frag zuerst dort.
Gerne helfe ich dir dabei dich mit Locals zu verknüpfen.
Wann Airbnb und Booking trotzdem sinnvoll sind
Für die ersten Tage vor Ort: Ankommen, Gegend ansehen, dann in Ruhe eine Wohnung besichtigen. Auch wenn du nur kurz bleibst oder wenig Spanisch sprichst, ist es die einfachste Lösung.
Kanal | Passt zu | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
Airbnb/Booking | Kurzaufenthalt, erste Tage | Bequem, Bewertungen, Kartenzahlung | Deutlich teurer bei längerem Aufenthalt |
Facebook-Gruppen | Wer vor Ort besichtigen kann | Oft günstig, direkter Kontakt | Qualität und Aktualität schwanken |
MercadoLibre | Vergleichen, Orte filtern | Viele Angebote, Filter | Anbieter schwer einzuschätzen |
Lokale Kontakte | Alle mit Netzwerk | Vertrauen, Verhandlungsspielraum | Kein Angebot auf Knopfdruck |
Makler | Caracas, Vertragssicherheit | Hilft bei Papieren | Maklergebühr, meist ca. eine Monatsmiete |
Was kostet eine Wohnung zur Miete in Venezuela?
Auf Margarita liegen lokale Mieten nach den Inseraten, die ich geprüft habe, grob zwischen 250 und 650 USD pro Monat. Beispiele: ein Apartment in Pampatar für 350 USD, ein größeres mit zwei Zimmern für 400 USD, eine Wohnung mit Meerblick für 650 USD, ein Haus in El Trapiche für 250 USD (Quelle: RE/MAX 2 MIL, Seite Stand Juni 2025).
Ort | Airbnb, 1 Monat (8.11. bis 8.12.2026) | Lokal gemietet (Erfahrungswert) |
|---|---|---|
Caracas, zentrale und sichere Gegenden | ca. 1.150 bis 3.500 EUR, die meisten Angebote 1.200 bis 2.800 EUR | RE/MAX: meist 500 bis 1.100 USD (Mitte ca. 850). MercadoLibre: viel breiter, meist 1.100 bis 3.500 USD, einzelne Angebote über 10.000 USD |
Isla Margarita (Porlamar, Pampatar, Strandnähe) | ca. 850 bis 2.100 EUR, die meisten 850 bis 1.400 EUR | ca. 350 bis 400 USD |
Valencia, bessere Wohngegenden | ca. 1.200 bis 2.200 EUR, viele 1.400 bis 1.950 EUR | RE/MAX und MercadoLibre: meist 300 bis 750 USD (Mitte ca. 550), einzelne Angebote 1.200 bis 2.000 USD |
Wichtig: Die lokalen Mieten unterscheiden sich stark zwischen den Orten, Airbnb auf dem Festland dagegen kaum. Deshalb ist der Preisabstand in Valencia am größten, in Caracas kleiner, vor allem in gehobenen Lagen. Berücksichtigt sind nur Gegenden, in denen Ausländer und Touristen angenehm und sicher wohnen können. Randgebiete und Barrios sind bewusst nicht dabei, dort gibt es oft auch kaum Airbnb. Auf Margarita steigen die Preise Richtung Dezember mit der Hochsaison.
Was du zum Mieten in Venezuela brauchst
In der Regel einen Reisepass, den Gesamtbetrag für den Einzug und eine Unterschrift. Je nach Vermieter kommen Kaution, Vorauszahlung und Maklergebühr dazu. Einen Einkommensnachweis verlangen manche Vermieter, besonders in Caracas, bei Ausländern wird das oft gelockert. Verlass dich aber nicht darauf.
Eine venezolanische Steuernummer (RIF) oder ein lokales Konto brauchst du für einen normalen Mietvertrag in der Praxis nicht, der Reisepass reicht. Lass den Vertrag trotzdem gern von einem Anwalt vor Ort ansehen.
Strom, Wasser und Internet: Wer zahlt, wer richtet ein?
Kläre vorab, ob die Wohnung schon Internet hat und ob es im Mietpreis steckt. Ohne Anschluss kannst du den Vermieter fragen, ob er einen einrichten kann. Auf eigenen Namen geht ein Internetanschluss nach meiner Erfahrung nur mit Cédula oder RIF. Wenn du länger bleibst, hast du vermutlich ein passendes Visum und vielleicht schon eine RIF für Ausländer.
Mehr zum Aufenthalt und zu den 90 Tagen findest du in unserem Artikel zum Visum und den 90 Tagen.
Was du vor dem Einzug zahlen musst
Das Überraschendste für mich war, wie viel am Anfang auf einmal fällig wird. Meine Erfahrungswerte:
Ort | Kaution | Vorauszahlung | Makler/Vertrag | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|
Margarita | ca. 2 Monatsmieten | 1 Monatsmiete | ca. 1 Monatsmiete | ca. 4 Mieten |
Caracas/Valencia | 1 bis 2 Monatsmieten | bis 3 Monatsmieten | ca. 1 Monatsmiete | ca. 5 bis 6 Mieten |

Ein Inserat aus Caracas, das ich gesehen habe, verlangte einen Monat im Voraus, drei Monate Kaution, einen Monat Maklergebühr und Vertragskosten, bei einem Vertrag über sechs Monate. Das ist ein Einzelfall. Frag immer, was genau im Gesamtbetrag steckt.
Wie du Miete und Kaution bezahlst
Die meisten Vermieter nehmen am liebsten Bargeld in US-Dollar, in unbeschädigten Scheinen. In meiner Erfahrung geht es in etwa 9 von 10 Fällen auch über Binance oder Zelle. Notfalls kannst du lokal per Transferencia in Bolívares zahlen. Dann verlangen Vermieter in der Regel den höchsten Kurs, üblicherweise die Tasa BCV für den Euro, und du zahlst entsprechend mehr.
Bei der Kaution sind viele Eigentümer flexibel. Oft wird sie in Divisa (Bargeld in Dollar) verlangt und die Monatsmiete in Bolívares. Das ist ein Erfahrungswert von mir und von Freunden, die selbst vermieten, keine feste Regel. Frag vor der Zusage, in welcher Währung und auf welchem Weg gezahlt wird, und lass dir jede Zahlung quittieren.
Wie lange du mindestens mieten musst
Die lokalen Preise aus diesem Artikel gelten in der Regel ab einer Mietdauer von sechs Monaten. Für drei Monate zahlst du meist mehr, oder du landest wieder bei Airbnb-ähnlichen Preisen. Frag direkt nach der Mindestdauer.
Was du vor dem Mietvertrag prüfen solltest
Möbliert oder unmöbliert?
Wer zahlt Strom, Wasser und Internet, und wie sieht die Rechnung aus?
Gibt es Generator oder USV für Stromausfälle?
Gibt es Wassertank oder Pumpe?
Wie sicher sind Haus und Gegend, gibt es Pförtner oder Zaun?
Aufzug, Etage, Zustand von Bad und Küche
Wie nah sind Supermärkte, Apotheke, Verkehr?
Wie oft fällt der Strom aus, frag die Nachbarn
Wer ist dein Ansprechpartner, wenn etwas kaputt geht?
Risiken und Scams
Typische Warnzeichen: Inserat mit sehr niedrigem Preis, Vermieter, der nur schreibt und nie Besichtigungen möglich macht, Druck, sofort zu überweisen. Lass dir den Vertrag schriftlich geben und lies ihn. Für rechtliche Fragen frag einen Anwalt vor Ort, dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.
Checkliste
Erste Tage oder Wochen in Airbnb oder Hotel buchen
In Facebook-Gruppen und MercadoLibre suchen, Kontakte fragen
Mindestens zwei bis drei Wohnungen besichtigen
Gesamtbetrag für den Einzug schriftlich klären
Strom, Wasser, Generator und Sicherheit prüfen
Vertrag schriftlich, Laufzeit und Kündigung klären
Keine Zahlung vor Besichtigung
Fazit
Airbnb zum Ankommen, Facebook, MercadoLibre und Kontakte für die Wohnung auf Dauer. Plane mehr Geld für den Einzug ein, als die Monatsmiete vermuten lässt, und unterschreibe erst nach Besichtigung.

